Dienstag, Mai 10, 2011

Messebau - Die Europalette wird 50

Seit über dreißig Jahren transportiert MDS Messebau die Messestände zum Messeplatz und zurück. Dabei werden eine Vielzahl von Kisten in ganz speziellen Abmessungen für den Transport der empfindlichen Bauteile eingesetzt. Aber auch die Europalette gehört von Anfang an mit dazu möglichst effektiv und schnell zu laden. Der besondere Vorteil liegt in den Abmessungen der Europalette. Auf den LKW-Ladeflächen, mit seinen genormten Abmessungen, können 3 Paletten nebeneinander oder 2 Paletten quer transportieren werden und dabei wird kein Platz verschwendet.

Herzlichen Glückwusch zum 50. Jubiläum

Folgenden Artikel fand ich in der Zeit:
Alles paletti

Die Europalette ist seit 50 Jahren das Holzmaß aller Dinge.

Sie bringt den Joghurt in den Laden und die Blumenerde in den Baumarkt. Sie buckelt Medikamente und Lebensmittel, karrt Textilien und Computerchips. Ohne die Europalette, die korrekt »Europoolpalette« heißt, blieben ganze Regalkilometer leer. In Zweierreihe quer oder Dreierreihe längs fährt sie auf Sattelzügen und in Eisenbahnwaggons in der ganzen Welt umher. Dieses Jahr feiert das rustikale Teil seinen 50. Geburtstag.

Seine Wurzeln hat der sogenannte Holzladungsträger bei einigen europäischen Eisenbahnen, die in der internationalen Vereinigung Union internationale des chemins de fer (UIC) organisiert sind. Sie einigten sich Anfang 1961 auf eine genormte tauschbare Palette aus Holz. Wer genau diese damals erfunden hat, ist nicht bekannt. Vielleicht war es ein Arbeiter mit dicken Schwielen an den Händen und viel Frust im Bauch angesichts der vielen Säcke, die er stets in den Eisenbahnwaggons verstauen musste. Das wäre zumindest plausibel, denn mit der Holzpalette brauchten die Arbeiter nicht einmal mehr zehn Prozent der bis dahin erforderlichen Zeit zum Beladen eines Waggons. Das europäische Transportwesen wurde auf einen Schlag revolutioniert, Gabelstapler und Europalette entwickelten sich zum perfekten Duo in der Logistikbranche. Sie harmonieren vor allem deshalb so perfekt, weil die Europalette vierwegig ist, der Gabelstapler sie also unkompliziert von allen vier Seiten aufnehmen kann.

Es dauerte nicht lange, da hatte die Europalette ihre Nachahmer gefunden. Doch die Imitate waren oft aus minderwertigem Holz, splitterten schnell oder bildeten Schimmel. Deshalb wurde 1994 der europäische Dachverband European Pallett Association, kurz Epal, gegründet. Die Epal hat als Hüterin der Europalette nur eine Aufgabe: Qualitätssicherung. Sie vergibt die Lizenzen für die Palettenhersteller und achtet darauf, dass die damals wie heute von der UIC vorgegebenen Normen der DIN EN 13698 Teil 1 von den Produzenten eingehalten werden.

So wird für Europaletten zum Beispiel ausschließlich getrocknetes Holz verwendet, um Schimmelbildung zu verhindern. Zur optischen Identifikation bekommt die Europalette Brandzeichen – gleich sechsmal auf jeden Holzklotz der beiden Längsseiten, damit immer und überall auf einen schnellen Blick zu erkennen ist: Hier handelt es sich um das Original.

Martin Leibrandt ist Geschäftsführer der Gütegemeinschaft Paletten in Deutschland, eines der nationalen Komitees der Epal. Bei seinem Amtsantritt vor gut einem Jahr war er noch skeptisch, was den Gegenstand seiner täglichen Arbeit anging. Wie spannend kann so ein Haufen Bretter schon sein? Inzwischen gehört er zu den bekenndenden Fans der schlichten Holzkonstruktion, die bis zu 1500 Kilo trägt. »Überlegen Sie mal: Wie viele Dinge fallen Ihnen ein, die vor 50 Jahren erfunden worden sind und heute noch genauso aussehen und funktionieren wie damals«, sagt Leibrandt. »Das ist doch genial.« Man nehme neun Holzklötze und elf Bretter und zimmere diese mit genau 78 Spezialnägeln – keiner mehr, keiner weniger – zusammen. Brandzeichen drauf. Fertig ist die 120 Zentimeter lange, 80 Zentimeter breite und 14,4 Zentimeter hohe Europalette.Abhängig von Transportgut, Klima und Sanftheitsgrad der Behandlung, erlebt sie mal fünfzehn, mal zehn und mal auch nur zwei Einsätze. Wird sie schwer bestückt, ruppig mit dem Gabelstapler auf den Laster geknallt und danach im schlammigen Firmenhof länger zwischengelagert, verkürzt sich ihre Lebensdauer deutlich.

Vor den schnellen Palettentod hat die Epal allerdings die Reparaturbetriebe gestellt. Rund 1000 Lizenznehmer weltweit kümmern sich um gesplitterte und gebrochene Bretter, ersetzen morsche Klötze und nageln exakt nach genormtem Nagelbild wieder fest, was lose war.

Neben den Reparaturbetrieben gibt es noch 500 Hersteller. Die verwenden für die rund 70 Millionen Paletten, die jedes Jahr neu produziert werden, grundsätzlich Nadelholz, hauptsächlich Fichte. Die Herstellungskosten pro Palette betragen zwischen 8,50 Euro und 11 Euro. Im Umlauf sind derzeit weltweit geschätzte 350 bis 500 Millionen Stück.

Die Holzpalette hat sich zum Maß vieler Dinge aufgeschwungen. Die meisten der heutigen Logistiksysteme orientieren sich jedenfalls an ihren Abmessungen: von der Ladefläche eines Lkw bis zum vollautomatischen Hochregallager. Nur in den Häfen stößt die Europalette an ihre Grenzen: Die ISO-Container, die für den Frachtverkehr auf Schiffen verwendet werden, sind nach amerikanischem Maßsystem normiert, die Europalette ist nicht kompatibel. In den Containern wird Ware daher auf speziellen Kunststoffpaletten verstaut. Noch sieht die Epal keine Bedrohung in der Plastikkonkurrenz. Womöglich könnte sich die Epal aber irgendwann doch gezwungen sehen, ein neues Produkt ins Portfolio aufzunehmen.

Es wäre nicht das erste Mal. Im Laufe der vergangenen fünf Jahrzehnte hat die Europalette drei Schwestern bekommen. Die beiden größeren heißen EUR3 und EUR2 und sind mit 100x120 Zentimetern quer beziehungsweise 120x100 Zentimetern längs die Palettenköniginnen auf dem englischen Markt. Der jüngste Spross der Palettenfamilie wird zurzeit modifiziert. Die sogenannte Halbpalette EUR6 ist, wie der Name verrät, genau halb so groß wie das Original und an den Außenseiten mit Stahlwinkeln statt Holzklötzen versehen. Sie wird vor allem im Getränkehandel der Discounter gebraucht, wo Apfelschorle, Wasser und Co. nebeneinander auf den schmalen Paletten präsentiert werden.

Die neue Variante hat bislang jedoch noch keine große Akzeptanz gefunden. Manchmal sind es nur Details, die für Skepsis sorgen. So erfuhr Leibrandt in einem Gespräch mit Vetretern des Handels über die Probleme mit dieser Palette, »dass so ein Stahlwinkel vier Millimeter dick sein sollte, damit er nicht sofort einknickt, wenn mal der Stapler dagegenfährt.
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