Mittwoch, Mai 20, 2009

Sale and lease back mit nicht vorhandenen LKW

Anklage gegen Ex-Ricö-Chef

Wegen Betrügereien im großen Stil mit nicht existierenden Lastern kommt der Ex-Geschäftsführer der insolventen Großspedition RiCö aus Osterode vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig gab am Freitag die Anklage wegen Betruges, Untreue, Unterschlagung und Urkundenfälschung gegen den 45-Jährigen bekannt. Insgesamt wirft ihm die Anklagebehörde 78 Straftaten vor, teilte eine Sprecherin mit. Ein Termin für den Prozess vor dem Landgericht Göttingen steht noch nicht fest.

Mitangeklagt sind ein ehemaliger RiCö-Angestellter wegen Beihilfe und drei Mitarbeiter einer Fahrzeugüberwachungsvereins. Es soll sich um die DEKRA handeln. Das Quintett soll Leasingfirmen die Existenz zahlreicher neuer Lkw vorgegaukelt, den Firmen diese Fahrzeuge verkauft und diese anschließend gegen niedrige Ratenzahlungen zurück geleast haben. Auf diese Weise ist nach Schätzungen des niedersächsischen Landeskriminalamtes (LKA) ein Schaden in Höhe von 300 Millionen Euro entstanden.

Der Ex-Geschäftsführer war im März rund ein Jahr nach der spektakulären Pleite der "RiCö Internationale Transport und Logistik GmbH" von LKA-Ermittlern nach einem Polen-Aufenthalt verhaftet worden. Er sitzt seither in Untersuchungshaft.

Laut Anklage hat der 45-Jährige veranlasst, dass aus einer Vielzahl älterer Lastwagen die Fahrzeug-Identifikationsnummern (FIN) herausgeschliffen und durch neue FIN ersetzt wurden. Diese FIN wiesen RiCö als Fahrzeughersteller auf. Den 60, 51 und 30 Jahre alten DEKRA-Mitarbeitern wirft die Staatsanwaltschaft vor, die alten Lkw in Gutachten als Neufahrzeuge ausgegeben zu haben.

Mit Hilfe der falschen Sachverständigen-Gutachten soll der Ex-RiCö-Chef dann neue Fahrzeugpapiere erlangt und diese bei Leasinggesellschaften eingereicht haben. Außerdem soll der 45-Jährige aus dem Firmenvermögen zu einem Zeitpunkt rund 300 000 Euro entnommen haben, als bereits klar war, dass RiCö zahlungsunfähig ist.

RiCö hatte im März 2008 selbst Insolvenzantrag gestellt. Der Insolvenzverwalter hatte keinen Übernahme-Interessenten gefunden. Die Spedition hatte in Deutschland ursprünglich rund 1000 und in Polen weitere 2000 Mitarbeiter. Der Fuhrpark war nach Angaben des Insolvenzverwalters überwiegend geleast. Dazu hatte die Spedition mit rund 50 verschiedenen Leasinggesellschaft zusammengearbeitet. Von den angeblich vorhandenen bis zu 7000 Fahrzeugen konnten nur etwa 3100 sichergestellt werden.

Diesen Artikel habe ich in der Verkehrsrundschau gefunden
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